Blutbank

von Udo Wolter
© 1999 (Erstveröffentlichung)

Jetzt liege ich hier und muß zusehen, wie ich altere. Ich komme hier nicht mehr weg. Fast bewegungsunfähig. Energielos. Ein bißchen scheint ja noch drin zu sein, sonst würde sie nicht auf dem Stuhl sitzen und saugen. Saugen ist vielleicht nicht ganz der richtige Begriff, denn es geht nicht um das Transferieren von Flüssigkeiten. Es geht um das Abziehen von Lebensenergie. Genau das tut sie gerade mit mir. Ich will hier kein Mitleid erregen. Ich bin selbst nicht besser. Oder sollte ich vielleicht schon sagen: Ich WAR nicht besser. Aber ich hätte ihr das nicht angetan. Normalen Menschen schon. Aber nicht ihr.

Vielleicht muß ich etwas ausholen, um die Situation verständlich zu machen. Auch, um vielleicht die Gerechtigkeit meiner jetzigen Situation darzustellen. Auch wenn ich gleich sterben werde, so muß ich zugeben, daß ich den Tod seit langem verdient habe. Ich habe mehr als einen Menschen auf dem Gewissen. Und nicht etwa durch Kampf oder andere plausible Gründe, nein, nur aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Die Energie anderer Menschen hat mich durch die Zeit gebracht. Wieviel Zeit seit meiner Geburt verstrichen ist, kann ich nicht genau sagen. Aber laut unserer jetzigen Zeitrechnung müssen es so 2000 Jahre gewesen sein. Ich kann das deshalb ziemlich genau sagen, weil ich damals im römisch besetzten Palästina einer Kreuzigung eines Jugendfreundes zugesehen habe. Ein finsteres Schauspiel. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum eine Religion sich auf den bestialischen Tod ihres Heilands beruft, wenn sie Symbole benutzt.
Jedenfalls habe ich als Kind mit ihm zusammen gespielt, wenn unsere Eltern uns spielen ließen. Das kam nicht oft vor, in der Zeit mußte jeder mithelfen. Jedenfalls gab es dort einige Kinder, die etwas seltsam waren. Die Römer gingen mit der dortigen Bevölkerung nicht gerade zimperlich um, es war mehr eine willkürliche Gewaltherrschaft. Manchmal kam man davon, manchmal holten sie einen einfach ab. Entweder man landete am Kreuz oder man kam nicht mehr wieder. Wahrscheinlich gab es Sondervorstellungen im Circus Maximus. Ich kann mich erinnern, wie ich mit einem Mädchen spielte. Ihren Namen habe ich vergessen, aber sie war was besonderes. Wir spielten heimlich Murmel- und Kugelspiele, denn Mädchen und Jungen wurden sehr strikt getrennt. Jedenfalls berührte sie einmal meine Hand und ich spürte eine wohlige Wärme. Jetzt würde jeder normale Mensch denken, daß das Liebe war. Das kann ich aber nicht behaupten. Zum einen interessierten mich Mädchen noch nicht in dieser Hinsicht, ich war ja erst 8, und zum anderen war ihre Hand auch noch eiskalt.
Nach der Berührung sah sie etwas blaß im Gesicht aus. Ich fragte sie, ob alles in Ordnung ist. Sie bejahte, ging dann aber nach Hause. Ich habe sie nie wieder gesehen. Ihre Hütte wurde am nächsten Tag von den Römern in Brand gessteckt. Bis heute bin ich der Meinung, daß ich die Gabe von ihr habe.

Als ich so ca. 40 Jahre alt war, war ich schon stark ergraut. Die Gelenke taten mir weh denn ich hatte jahrelang als Schmied gearbeitet. Die Hitze der Schmiedeglut hatte auch deutliche Spuren in meinem Gesicht hinterlassen. Ich bereitete mich praktisch auf den Tod vor. Ich war nie aus Palästina rausgekommen und dachte mir, als römischer Staatsbürger (jeder, der kein Sklave war und in römisch besetzten Gebieten lebte, war praktisch römischer Staatsbürger, auch wenn manchmal Unterschiede gemacht wurden...) könnte ich doch mal nach Rom reisen. Die fahrt über das Mittelmeer war sehr anstrengend. Ich mußte die Hälfte aller Ersparnisse dafür ausgeben und hoffte, daß mir in Rom noch genug Geld bleibt um eine Unterkunft und Essen zahlen zu können.

Und ich wollte endlich den Circus Maximus sehen. So viele Leute erzählten von den Spielen, daß sie einerseits wundervoll, andererseits auch grausam seien sollten. Die pure Gier nach "Action", würde man heute sagen, trieb mich dorthin. Ich muß aber hinzufügen, daß kein Fernsehfilm und kein Kino-Schocker mit der Realität mithalten kann. Schon die Wagenrennen waren entsetzlich blutig.

Ich saß also im Circus Maximus und hatte alleine für eine Herberge ein sündhaft teures Geld ausgegeben. Der Circus war seltsamerweise umsonst. Der große Imperator (wer auch immer da saß, von weitem war es nicht auszumachen und es war mir auch egal) hob oder senkte die Hand, je nachdem wie das Volk über die einzelnen Gladiatoren entschied. Ich saß glücklicherweise weiter oben, denn unten in den ersten Reihen flogen oft Fleischstücke umher, ebenso spritzte auch Blut aus der Arena in diese Reihen. Viele der Leute in den ersten Reihen zahlten dafür, um diese Plätze zu bekommen und sahen hinterher aus wie Sau. Ist mir bis heute unverständlich.

Nach dem Ende des Spektakels wollte ich zu meiner Herberge zurück, als sich 2 Männer mir in den Weg stellten. Sie nannten mich einen Judenlump, der sich als Sklave besser machen würde, aber auf jeden Fall hätte ich kein Recht, Geld zu besitzen. Sie wollten mich berauben ! Im ach so sicheren Rom ! Ich war erschüttert. Sollte dies die vielgepriesene römische Zivilisation sein ? Die Hüter der Gesetze ließen solche Banden in der Hauptstadt des Reiches vagabundieren ? Ja, ich weiß, das klingt sehr naiv. Aber ich war damals zum ersten Mal weg von zu Hause und hatte ein etwas einfaches Weltbild.

Jedenfalls wollte ich mein Geld nicht herausgeben und rief, so laut ich konnte, um Hilfe. Daraufhin fingen sie an, mich zusammenzuschlagen. Als ich am Boden lag und nur noch ein blutendes Wrack war, kamen zwei römische Wachleute, die mich zu ihrer Wachstation trugen. Dort wurde ich wieder geschlagen, weil sie irgendetwas von mir wissen wollten. Jedenfalls sagte ich nichts, denn ihr Latein war dermaßen hektisch und aufgebracht, daß ich es nicht verstand. Plötzlich bemerkte ich wieder diese wohlige Wärme, die mir damals bei meiner Sandkastenfreundin begegnete und sog sie direkt in mich auf. Der wütende Wachmann links von mir wurde auf einmal immer blasser. Auf einmal kippte er um. Die anderen 4 anwesenden Soldaten rannten sofort zu ihm hin, aber es war zu spät. Er war tot. Ich spürte auf einmal gar keine Schmerzen mehr. Ich sah auf und sah in Gesichter aus einer Mischung von Furcht und Haß. Jedenfalls sprang einer der Soldaten auf und ging mir haßerfüllt an die Kehle. Da war es wieder, das wohlige Gefühl. Und ich saugte es in mir auf. Die Hände wurden schwächer, fielen von mir ab und der Mann fiel nach hinten um. Ich sah noch den Helm wegkullern, da rannten die letzten 3 Soldaten schreiend aus dem Raum und schlossen ihn hinter sich ab.

Ich bemerkte eine eigenartige Veränderung an mir. Das Atmen fiel mir so leicht wie schon lange nicht mehr. Meine Hände waren fast faltenlos. Meine Füße taten nicht mehr weh. Die Arme sahen irgendwie kräftiger aus. Ich nahm das Schwert eines der beiden toten Wachleute und versuchte mich darin zu spiegeln. Aber es war nicht sehr gut gepflegt worden. Es war zerkratzt und stumpf und man konnte nicht mal das Licht der Fackeln darin spiegeln. Nach einer Weile ging die Tür auf und ein Zenturio kam herein. Er fragte mich nach meinem Namen. Zum ersten Mal ! Dann fragte er mich, ob ich seine beiden Männer getötet hätte. Ich verneinte das, denn ich hatte ja nichtmal versucht sie umzubringen. Er war etwas reservierter als seine Soldaten, obwohl er, nachdem er seinen Helm abgelegt hatte, doch diese Aura der Wärme um sich hatte. So langsam verstand ich was ich getan hatte. Obwohl mir Begriffe wie Energie noch völlig fremd waren, gingen in meinem Kopf Lichter an, die noch nie da waren. Es war fast wie eine Gier. Ich wollte es bei dem Zenturio auch versuchen, konnte mich aber noch beherrschen.

Nach einer sinnlosen Ausfragerei über Revolten und ähnliches ließ er mich schließlich gehen. In ging zurück zu meiner Herberge und begrüßte dort den Wirt. Er sah mich staunend an. Er hätte fast den Krug fallenlassen, den er in der Hand hielt. Er brachte mich zu meinem Zimmer und drehte sich immer wieder zu mir um. In meinem Zimmer hing ein Stück polierter Stahl, der als Spiegel diente. Als ich mein Spiegelbild sah, wich ich vor Angst fast zurück. Ich sah aus wie 20. Ich hatte volles, dunkles Haar, keine Falten, mein Oberkörper sah athletisch aus. Ich war verwirrt. Einerseits war ich erfreut, daß das Schicksal mir eine weitere Chance gab, andererseits war mein Geld fast alle. Ich hatte also meinen Lebensabend verpraßt ohne daß sich das Ende nähern würde.

Kurz nachdem ich eingeschlafen war, riß jemand die Tür auf. Es war der Wirt, der mich aus seiner Herberge rauswarf. Hinter ihm standen wieder Soldaten. Mein Ruf eilte mir jetzt sehr schnell voraus, ich wurde zur Unperson.

Seit dieser Zeit bin ich viel rumgekommen. Ich war dabei, als die Römer gegen die Germanen verloren, ich war dabei, als die Pest kam (auch ich hatte sie, was aber angesichts der Umstände kein Problem war), ich war dabei, als die Kirche ihre Macht mit Hilfe der spanischen Inquisition manifestierte usw.

Ich war auch mit Kolumbus in Amerika (aber erst auf der 2. Reise) und ich wurde bei den Hexenverfolgungen mehrfacht verbrannt. Ich habe auch einen Herrn Dracul kennengelernt, ein sehr grausamer Herrscher, dem man vieles nachsagte.
Eine Sache aber stimmte nicht: daß er ein Vampir sei. Da er aber sehr scharfe vorstehende Eckzähne hatte, machte ich bei meinen Opfern mit einem Messer zwei kleine Stichwunden, so daß das Blut daran rauslief. Es trug zum einen mächtig zur Legendenbildung bei. Zum anderen trug es dazu bei, daß das Volk die Burg des Grafen stürmte, ihn aufhing und dann die Burg anzündete. Nachdem er tot war, verließ ich die Gegend. Er war ein angenehmer Gesprächspartner, aber leider der einzige, mit dem man sich dort unterhalten konnte. Da meine Abreise mit seinem Tod zusammenfiel, gab es danach keine "ausgesaugten" Toten mehr, das verschärfte die Legende noch einmal.

Nichtsdestotrotz würde ich mich nicht als Vampir bezeichnen. Ich sauge kein Blut, ich muß meine Opfer nicht berühren und ich verwandele mich auch nicht in eine Fledermaus. Hypnotische Fähigkeiten habe ich auch keine, ich esse gerne Knoblauch und Kreuze machen mir nur insofern Angst, daß es mich an meinen toten Freund und andere erinnert, die daran sterben mußten. Einen Holzpflock durfte ich schon öfter in meinem Herz tragen, aber es gibt unangenehmeres. In einem Sarg habe ich nur einmal geschlafen und zwar während der französischen Revolution. Es war der einzige Ort, wo man ein wenig Ruhe finden konnte.

Ich will nicht verleugnen, daß es Probleme bereitet, wenn man nicht sterben kann. Mehr als einmal habe ich mich in eine Frau verliebt. Ich bin auch mehr der monogame Typ. Sobald ich mich für eine entschieden hatte, dann heirateten wir und mit 2 von ihnen hatte ich sogar Kinder (die die Gabe nicht hatten, denn sie sind schon lange alle tot). Liebe scheint auch der einzige Mechanismus zu sein, der mich von meiner Gier nach Energie befreite. Es war sozusagen meine Entziehungskur. Ich lebte mit der jeweiligen Frau zusammen, alterte mit ihr und sah zu wie sie starb. Das war immer ein schwerer Schlag.
Wie gerne hätte ich ihr was von meiner Energie abgegeben. Aber was immer ich versuchte, es schlug fehl. Ich kann mich erinnern, wie vor ca. 500 Jahren bei dem Tod meiner geliebten Elise eine Welt für mich zusammenbrach. Ich wollte nicht mehr weiterleben. Ich saugte also bewußt keine Energie. Es war schwierig, denn der Drang wurde immer stärker, es schien, als wenn dieser Drang mich zwingt, weiterzuleben. Da ich es schonmal versucht hatte, mich so umzubringen, indem ich einfach jegliche Energie an mir vorbeiziehen ließ und es damals nicht klappte, weil 2 Personen sich einen heftigen Streit lieferten, ging ich in eine Gruft auf einem abgelegenen Friedhof. Ich legte mich auf eine der Marmorplatten und wartete auf den Tod. Fast 6 Wochen lang. Aber er kam nicht. Ich hatte Hunger, Durst, mir ging es schlecht, aber über einen gewissen Punkt ging es nicht hinweg. So konnte ich also nicht sterben. Ich ging also raus und kletterte von außen auf den Kirchturm des Friedhofs und ließ mich von dort runterfallen. Unten angekommen tat mir zwar alles weh, aber ich konnte alle Finger bewegen und die Wirbelsäule schien unverletzt.

Ich habe seitdem öfter versucht mich umzubringen: durch Erschießen, Verbrennen, Abtrennen von Gliedern (sehr interessant, sie wachsen schnell wieder nach !) und in neuerer Zeit habe ich mich sogar durch Bomben in kleine Splitter sprengen lassen. Irgendwo wachte ich immer wieder auf. Meistens lag dann jemand anders tot neben mir. Es ist als wenn meine Asche von sich aus Lebensenergie von jemandem abzieht, ohne daß ich das kontrollieren kann. Es gab einen Versuch, der wirklich lang anhielt. Ich hatte es geschafft, in Nevada, dem Staat, in dem die U.S.A. ihre Atombombenversuche machten, bis auf 100 Meter an die Bombe ranzukommen. Es war 1953. Als ich aufwachte war etwas Zeit vergangen: 1978. 40 Tote Leute lagen um mich rum, alle mit seltsamer Kleidung. Ich muß sagen, in diesen 25 Jahren die mir fehlen, hat sich dermaßen viel verändert, daß ich über ein Jahr brauchte, um mich an das allgemeine Gesellschaftsleben zu gewöhnen. Es gab bunte Frisuren, laut krachende Musik (welch ein Gedröhn !), Düsenflieger. Überhaupt war die Welt, was Lautstärke betrifft, scheinbar völlig aus den Fugen geraten. Riesige Autostaus schoben sich durch die Straßen. Und auf dem Planeten sah es fast überall so aus. Ich erfuhr, daß die Atombombe selbst Staatschefs so viel Angst machte, daß es keinen 3. Weltkrieg gab (nach dem 2. sah es so aus, als käme gleich hintendran der 3.). Die Geschwindigkeit, die man jetzt überall sah und spürte, war enorm.
Ich hatte sehr viel aufzuholen, vor allem in Sachen Kleidung.

Ich trieb mich eine Zeit lang in New York herum, da war die Gewaltrate besonders hoch, also praktisch an jeder Ecke was zum Saugen. Später ging ich dann nach L.A., da war noch mehr zu holen. Paradiesisch: Ganze Bezirke waren nicht polizeiüberwacht, man konnte tun und lassen was man wollte. Jeder verließ sich auf seinen Ballermann und war sehr erstaunt, wenn ich über eine Maschinengewehrsalve, die meinen Körper quer zersiebte, nur lachen konnte.
Dort habe ich bestimmt 20.000 Menschen regelrecht vernichtet. Im Nachhinein kommt es mir vor wie in einem Feldzug. ich weiß nicht, wofür oder wogegen, aber es war sehr systematisch. Ganze Gebiete habe ich entvölkert. Als es anfing aufzufallen (Gerichtsmediziner finden heutzutage ja sogar raus, wann der Tote das letzte Mal gefurzt hat), bemühte ich mich, die Kanonen zu nehmen, und jedem Toten noch ein paar Kugeln zu verpassen. Das trug auch zur Stimmung ganz gut bei: Mehr Bandenkriege bedeuteten mehr Energie.

1988 ging ich wieder zurück nach Europa. Es war übel, wie stark dieser Kontinent zugebaut worden war. Das Ruhrgebiet bestand praktisch aus einer einzigen Stadt und es wurde überall weitergebaut. Die Autobahnen durchzogen das ganze Land, Flughäfen, Parkplätze, überall Beton. Und ich dachte, das wäre ein amerikanisches Problem (wenigstens gab es dort noch Landschaft mit großen Wäldern, Wüsten usw.). Es zog mich nach Berlin, denn in der DDR gab es Proteste. Ich spürte, daß dort was zu holen ist. Konflikte waren ja praktisch genau das was ich brauchte. Vielleicht gibt es sogar einen Krieg? Das wäre ideal gewesen. Aber dann kam es doch anders. Die Revolution war friedlich (obwohl ich mich wirklich bemüht hatte, Grenzsoldaten umzubringen usw.) und es sah so gar nicht nach Konflikten aus. Innerhalb der Stadt gab es dann aber doch welche. Rassismus machte sich breit, zumindest im Ostteil der Stadt. Da ich ja sehr dunkelhäuftig bin und dunkle Haare habe, war ich ein beliebtes Ziel und ich beschloß erst einmal doch hier zu bleiben. Ich hatte mittlerweile auch ein System ausgeklügelt, wie man Leuten die Energie abzieht, ohne sie gleich zu töten. Das war praktisch mein eigenes Methadon-Programm. Ich fuhr U-Bahn und sah mir Konflikte an und zog immer nur ein klein wenig Energie ab.
Es war herrlich, die U-Bahn war voll mit Leuten die Streit suchten. Und sie fanden auch immer jemand, bei dem das klappte. Ich hatte praktisch bei einer Fahrt von Endstation zu Endstation soviel Energie, als wenn ich 100 Leute getötet hätte. In Wirklichkeit war es Teilenergie von bestimmt 1000 Menschen.

Ich war relativ zufrieden und dank der heutigen Medien war die Welt auch spannend genug. Eigentlich war ich doch recht froh, daß es mit den vielen Selbstmordversuchen nicht geklappt hatte. Ich saß also zufrieden in der U-Bahn, als eine Frau vorbeiging und mir auf den Fuß trat. Es kam so ruckartig, daß ich ziemlich belämmert war. Schließlich stellte ich sie zur Rede, was das soll. Sie entschuldigte sich nicht, sondern trat nochmal zu. Ich wurde wütend und wollte losbrüllen. In dem Moment merkte ich eine Eiseskälte.
Meine mühsam gesammelte Energie floß aus mir raus! Ich trat der Frau ans Schienbein (einen Punkt, den ich sehr gut kenne, der bringt einen völlig aus dem Konzept) und der Energieabfluß hörte schlagartig auf. Jetzt war sie sauer und ich konnte ihre Energie absaugen. Ihre Augen wurden größer vor Staunen.
Ich lächelte und hörte mit dem Saugen auf. Sie lud mich ein auf eine Tasse Kaffee und wir unterhielten uns. Für mich war sie praktisch die erste, die ich kennenlernte, die ebenso diese Gabe hatte. Sie erzählte von anderen, die sich quer über den Planeten verteilten. Aber sie kannte auch nur 5 "Sauger". Wir unterhielten uns, erzählten uns lachend diverse Anekdoten, Dinge, die wir erlebt hatten usw. Es kam wie es kommen mußte, wir landeten in ihrer Wohnung in ihrem Bett.

Und dort liege ich immer noch. Als ich morgens aufwachte, saß sie in einem Stuhl neben mir und lächelte. Ich konnte mich kaum bewegen und spürte Gicht in allen Knochen.



Epilog:

Er: "Warum tust Du mir das an ? Ich hätte gedacht, wir würden perfekt zusammenpassen."
Sie: "Weil es mir Spaß macht. Außerdem ist Konkurrenz in unserem Geschäft geradezu tödlich."
Er: "Aber damit kannst Du mich doch auch nicht töten !"
Sie: "Bist Du sicher ? Die 5 anderen, von denen ich Dir erzählt habe, weilen nicht mehr unter uns."
Er: "WAS ???? Unmöglich !"
Sie: "Nur ein Sauger kann einen anderen Sauger töten. Übrigens steht es mir zu, Dich zu töten."
Er: "Wieso ?"
Sie: "Weil ich es war, die Dich dazu gemacht hat. Damals in Palästina. Du hattest mir zum Abschied diese kleine Lehmmurmel geschenkt..."
Er: "Aber das ist doch kein Grund mich jetzt zu töten ? Was habe ich Dir denn getan ? Wir könnten noch so viel Zeit miteinander verbringen..."
Sie: "Sagen wir mal so, mir steht ein wenig Zins zu für das, was ich Dir damals leihweise gab. Und jetzt hole ich mir wieder, was mir gehört. Mit 2000 Jahren Energie als Zinseszins ! Hahahaha..."


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