Dumme Neben Sächlichkeiten

von Udo Wolter
© 2001 (Erstveröffentlichung)

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Tag 1:

Der Auftrag war klar. X sollte spurlos verschwinden. Die aktuellen Gesetze machten es einem Profikiller leicht. Wo keine Leiche, da kein Mord. Natürlich bezog sich das auch auf DNS-Schnipsel. Folglich mußte man monatelang hinter seinem Opfer "saubermachen", bevor die Eliminierung stattfinden konnte. Natürlich gab es Fälle, bei denen das Opfer vorher davon Wind bekam. Wenn es zufällig zweimal den gleichen Raum betrat und er beim zweiten Mal nach Desinfektionsmitteln und anderer Chemie roch.
Nichtsdestotrotz schien das ein einfacher Auftrag zu sein. Selbst, wenn das Ziel Wind von der Sache bekäme. Bisher hatte es immer geklappt, sich den Rücken sauber zu halten.

Tag 2:

Das Ziel fing an, problematisch zu werden. Nachdem die Aufräumaktionen gestern nach der Party des Opfers etwas langwieriger wurden (besonders die Kotze war schwer zu beseitigen, sie steckte teilweise unter Dielenritzen), schien es als wenn das Opfer etwas bemerkt hätte. Ab jetzt hieß es vorsichtiger zu sein.

Tag 3:

Das Ziel scheint zu wissen, wie es um ihn steht. Er war auf der örtlichen Polizeiwache, aber man konnte ihm nicht helfen. Logisch: Ist ja noch nichts passiert, hahaha. Jedenfalls hilft er sich nun selbst. Er spuckt herum wie ein Lama, niest, so oft er kann (er hat eine Feder bei sich, mit dem er sich die Nase kitzelt) und schneidet ständig Fingernägel und Fußnägel. Zu Hause rupft er sich hin und wieder Haarbüschel raus und verschickt sie per Post an die wildesten Adressen. Das macht die Arbeit schwierig, aber nicht unmöglich. Die Briefe konnten alle abgefangen werden und die Spucke kriegt man mit der Clean-Gun locker sauber.

Tag 4:

Der Typ ist mittlerweile total paranoid. Das ist eigentlich recht gut, weil ihm dann niemand glaubt. Alle halten ihn für bescheuert und so bekommt er natürlich keine Hilfe. Heute scheint ein guter Tag zu sein, um die Exekution durchzuführen.

Tag 5:

Der Auftrag ist erledigt. Trotzdem bleibt das Gefühl, daß noch irgendwas nicht ganz sauber ist. Die Wohnung wurde mit dem Clean-O-Matic gereinigt, das Opfer mit dem Energator-3 zu purer Energie umgewandelt (wenigstens ist er jetzt im Stromnetz zumindest kurzzeitig nützlich). Es ist doch alles getan worden, oder ?



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Tag 1:

Der Alkohol für die Party mußte noch unbedingt gekauft werden. Am besten Rum und Wodka, das geht immer gut runter. Bier war ja noch genug da. Und Chips fehlten auch noch. In einer Stunde fängt die Party schon an ! Panik ! Aber es könnte zu schaffen sein.

Tag 2:

Gestern wurde bitter gereihert. Zuviel Wodka und Rum im Mix. Das konnte nicht gutgehn. Jedenfalls muß heute die Kotze beseitigt werden. Seltsam: sie ist unauffindbar. Selbst unter den Dielen (da läuft sie sonst immer hin) ist nichts ! Das klingt ja fast nach Horror-Stories aus den Zeitungen, in denen von Auftragsmorden berichtet wird. Ab jetzt sollte man die Augen und Ohren wohl etwas spitzen.

Tag 3:

Mit Sicherheit kann hier hier etwas nicht stimmen. Die Umgebung wird immer steriler. Außerdem wurde ein Mann gesichtet, der aus dem Haus kam, den aber scheinbar niemand kennt. Was nun ? Zur Polizei ! Und soviel DNS verteilen, wie es geht. Statisch angebrachte DNS kann den Behörden helfen, Straftaten aufzuklären. Wenn alles nichts hilft, dann hilft das wenigstens, den Täter zu überführen. Daß man dann tot ist, ist wohl Pech...

Tag 4:

Niemand scheint helfen zu wollen. Alle haben nur diesen mitleidigen Blick. Aber es gibt einen Ausweg. Seit Tagen deutet er sich an. Den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen, hahaha.

Tag 5:

Die Schlinge scheint sich zuzuziehen. Wieviel Tage sind es wohl noch ? 3 oder sogar weniger ? Es scheint eine gewisse Routine zu geben. Der Tages- ablauf spielt sich momentan in völlig geregelten Bahnen ab. Aber die Verteilung läuft gut. Wenigstens können dadurch viele Leute gerettet werden, die danach noch auf der Todesliste stehen. Ein schwacher Trost...



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Kommissar Heine sah die Vermißtenmeldungen der letzten Woche durch und befahl die übliche DNS-Fahndung. Die Müllabfuhr war seit langem angewiesen, vor dem Kehren und Müll abholen, genaue DNS-Muster des Abfalls vorzunehmen. Diese Daten wurden in einer Datenbank orts- und zeitgebunden abgespeichert. Und tatsächlich: Mit einer Vermißtenmeldung stimmte eine DNS-Probe überein. Sie zog sich immer von der Wohnung des Vermißten bis zu diversen Kneipen und anderen Einrichtungen: öffentlichen Klos, Konzerthallen, ja sogar zur örtlichen Polizeistation. Es waren Blutspuren und Hautfetzen des Opfers. Die Befragung aller Personen, die sich in dieser Umgebung in letzter Zeit aufhielten, wurde begonnen. Dann wurde noch die Wohnung des vermeintlichen Opfers durchsucht. Und davor wurde man sogar sehr fündig...



Game over

"Guten Tag Herr Weiß, ich hätte ein paar Fragen an Sie..."
Herr Weiß wurde fahl im Gesicht und bat den Kommissar rein. "Wir haben Grund zu der Annahme, daß Sie Herrn Markus Ehlers vor 7 Tagen ermordet haben, was sagen Sie dazu ?"

Nach 3-stündigem Verhör gab Herr Weiß alles zu. Die Fakten waren dermaßen erdrückend, daß er vor Gericht keine Chance hätte. Er hatte allerdings eine Frage: "Wie hat er es geschafft ? Ich habe alle DNS-Teile vernichtet ! Die chemische Keule, war dermaßen stark, daß keine Proteine das überstehen dürften ! Wie zum Teufel hat er es gemacht ???"

Der Kommissar drehte ein paar Schuhe um, bei denen die Schuhsohlen fehlten. Sie waren an den Rändern leicht blutverkrustet.
"Er hatte von allen Schuhen die Sohlen entfernt. Das trug dazu bei, daß er in der ätzenden Chemie herumging, die seine Fußsohlen quasi auflöste. In der Wohnung haben wir keine Spuren gefunden, dafür war die Chemie zu stark. Aber die blutenden Füße haben draußen durchaus ihre Spuren hinterlassen. Er muß unglaubliche Schmerzen gehabt haben, denn wir haben festgestellt, daß er oft durch Splitter und rostige Metallteile gegangen ist, um den Effekt noch zu steigern..."



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